Schleswig-Holstein

Die Zahl der Studienanfänger*innen, Studierenden und Absolventen ohne Abitur sind in den letzten Jahren relativ konstant, rangieren aber weit unter dem Bundesdurchschnitt. Die Zugangsregelungen sind ähnlich wie in den meisten anderen Bundesländern beschaffen. Das heißt, dass sich Personen mit einer abgeschlossenen Aufstiegsfortbildung als Meister*in, Fachwirt*in oder einem Fachschulabschluss ohne weitere Umschweife für einen Platz im Studienfach ihrer Wahl bewerben können. Hierin sind sie Inhaber*innen einer allgemeinen Hochschulreife gleichgestellt. Dagegen sind Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und mindestens drei Jahren Berufserfahrung in ihren Möglichkeiten insofern begrenzt, als das Studienfach eine inhaltliche Nähe zum Beruf aufweisen muss. Hinzu kommt, dass diese Gruppe eine Eignungsprüfung ablegen muss. Unter bestimmten Bedingungen ist auch ein Probestudium möglich.

 

Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister- und sonstige berufliche Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Keine

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Fachlich verwandte Berufsausbildung (2 Jahre)

Fachlich verwandte Berufserfahrung (3 Jahre)

Eignungsprüfung erforderlich:
Ja
Probestudium möglich:
Ja (mit mindestens befriedigendem Ergebnis einer abgeschlossenen Berufsausbildung und anschließender dreijähriger Berufstätigkeit)

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister- und sonstige berufliche Fortbildungsabschlüsse

§ 39 Abs. 2 HSG: Bei folgenden mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassenden Fortbildungsabschlüssen können deren Inhaber*innen ein Studium in allen Fachrichtungen aufnehmen: Meisterabschluss, Fortbildungsabschluss auf der Grundlage von §§ 53 oder 54 des Berufsbildungsgesetzes, von §§ 42 oder 42a der Handwerksordnung oder einer gleichwertigen bundes- oder landesrechtlichen Regelung, vergleichbare Qualifikation i. S. des Seemannsgesetzes, Fortbildungsabschluss einer Fachschule oder Abschluss vergleichbarer landesrechtlicher Fortbildungsregelungen für Berufe im Gesundheitswesen sowie im Bereich der sozialpflegerischen und sozialpädagogischen Berufe.

Eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung hat auch, wer ein Hochschulstudium oder ein Studium an einer Berufsakademie, das einem Fachhochschulstudium gleichgestellt ist, abgeschlossen hat, ohne die allgemeine Hochschulreife zu besitzen (§ 39 Abs. 5 HSG).

 

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 39 Abs. 2 HSG: Nach einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung und einer mindestens dreijährigen Berufspraxis (jeweils in einem dem angestrebten Studiengang fachlich verwandten Bereich) wird die fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung über eine bestandene Hochschuleignungsprüfung erworben. Die Hochschule entscheidet auf der Grundlage der in dem Abschlusszeugnis ausgewiesenen Qualifikationen über die fachliche Verwandtschaft mit dem angestrebten Studiengang. Bei einer Bewerbung um zentral vergebene Studienplätze in der gemeinsamen Einrichtung für Hochschulzulassung müssen die Studieninteressierten vor der Bewerbung eine Bescheinigung über die fachliche Verwandtschaft bei der gewünschten Hochschule einholen und bei der Bewerbung einfügen.

§ 39 Abs. 5 HSG: Ein fachgebundener Hochschulzugang ist auch möglich für Bewerber*innen, die in einem akkreditierten Bachelorstudiengang an einer Fachhochschule oder einer Berufsakademie Leistungspunkte in einem drei Semester entsprechenden Umfang erworben haben. Die Hochschule entscheidet über die fachliche Verwandtschaft des angestrebten Studiengangs.

Teilzeitarbeit ist ausreichend als Nachweis der Berufspraxis, wenn diese mindestens 50 Prozent der regelmäßigen Vollzeitarbeitszeit beträgt (§ 39 Abs. 2 HSG).

Eignungsprüfungen:

Die Hochschuleignungsprüfungsverordnung (HEigPrüfVO) regelt Zulassungsvoraussetzungen und -verfahren, Umfang, Durchführung und Bewertung der Prüfung sowie die Erhebung einer Prüfungsgebühr.

§ 39 Abs. 6 HSG: „In den Fächern Kunst, Musik und Sport setzt die Qualifikation für das Studium zusätzlich das Bestehen einer besonderen Eignungsprüfung voraus. Die Musikhochschule Lübeck und die Muthesius Kunsthochschule können für künstlerische Studiengänge, die nicht das Lehramt betreffen, bei außerordentlicher Befähigung der Bewerberin oder des Bewerbers in Ausnahmefällen vom Nachweis der allgemeinen Hochschulzugangsberechtigung abweichen. Die Befähigung ist vom Eignungsprüfungsausschuss festzustellen. Die Hochschule regelt durch Satzung, die der Zustimmung des Ministeriums bedarf, die Zulassung zu und die Durchführung von Eignungsprüfungen.“

Probestudium:

§ 39 Abs. 4 HSG: Bewerber*innen, die eine Berufsausbildung mit mindestens befriedigendem Ergebnis abgeschlossen haben und eine sich daran anschließende dreijährige Berufstätigkeit oder entsprechende Ersatzzeiten nachweisen, können für die Dauer von zwei bis maximal vier Semester für ein Probestudium eingeschrieben werden. Danach entscheidet die Hochschule über die endgültige Einschreibung unter Berücksichtigung der erbrachten Leistungen. Einzelheiten sind in der Einschreibordnung der Hochschule geregelt.

 

Zulassung zu weiterbildenden Masterstudiengängen

§ 58 Abs. 2 HSG: In Ausnahmefällen kann bei weiterbildenden Masterstudiengängen eine Eingangsprüfung den Hochschulabschluss ersetzen. Zudem sind berufspraktische Erfahrungen von mindestens einem Jahr vorzuweisen. „Im Übrigen gelten die §§ 46, 48 bis 53 [HSG] entsprechend.“

 

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 51 Abs. 2 HSG: „Außerhalb von Hochschulen erworbene Kompetenzen und Fähigkeiten sind auf ein Hochschulstudium anzurechnen, wenn ihre Gleichwertigkeit mit den Kompetenzen und Fähigkeiten nachgewiesen ist, die im Studium zu erwerben sind und ersetzt werden sollen." Insgesamt dürfen nicht mehr als 50 Prozent der Prüfungsleistungen angerechnet werden. „Die Hochschulen regeln in der Prüfungsordnung, unter welchen Voraussetzungen Kenntnisse und Fähigkeiten, die außerhalb von Hochschulen erworben wurden, ohne Einstufungsprüfung angerechnet werden. In Einzelfällen ist eine Einstufungsprüfung zulässig.“

 

Wechsel aus einem anderen Bundesland

§ 39 Abs. 3 HSG: Weitergehende Regelungen aus anderen Bundesländern bzgl. des Hochschulzugangs beruflich qualifizierter Bewerber*innen werden nach einem Jahr erfolgreichen Studiums zum Zwecke des Weiterstudiums im entsprechenden oder fachlich verwandten Studiengang anerkannt.

 

Quoten, Auswahlverfahren und Verbleib ungenutzter Studienplätze

Das Hochschulzulassungsgesetz regelt eine Vorabquote in Höhe von maximal 20 Prozent, welche u. a. Bewerber*innen „[…] mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung, die über keine sonstige Studienberechtigung verfügen [...]“ und Bewerber*innen für ein Probestudium mit einschließen kann (§ 5 Abs. 1 Nr. 5 und 6 HZG). Dabei kann das Ministerium bestimmen, dass „der Anteil der Studienplätze für die Bewerbergruppen […] an der Gesamtzahl der Studienplätze je Bewerbergruppe nicht größer sein darf als der Anteil der jeweiligen Bewerbergruppe an der Bewerbergesamtzahl“ (§ 5 Abs. 2 Satz 1 HZG).

Die Auswahl der beruflich qualifizierten Bewerber*innen ohne sonstige Studienberechtigung erfolgt nach deren „Eignung und Befähigung“ (§ 5 Abs. 7 HZG). Bewerber*innen für ein Probestudium werden „nach Wartezeit ausgewählt“ (§ 5 Abs. 8 HZG).

§ 5 Abs. 2 Satz 3 HZG: Die nach dem Auswahlverfahren nicht in Anspruch genommenen Studienplätze werden zunächst über ein Nachrückverfahren vergeben. Sollten Studienplätze im Nachrückverfahren frei bleiben, werden diese der Wartezeitquote gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 2 HZG zugeteilt.

 

(Stand: März 2022)


Daten-Monitoring

Bei den Studienanfänger*innen kommt es nach einem leichten Rückgang im Vorjahr zu einem Anstieg von 0,17 Prozentpunkten, sodass die Quote auf 1,6 Prozent steigt. Infolgedessen gewinnt Schleswig-Holstein in dieser Kategorie im Bundesländervergleich einen Platz und erreicht aktuell Rang 13. Zu erwähnen ist die Fachhochschule Kiel, die im Berichtsjahr 2020 mehr als die Hälfte der Studienanfänger*innen ohne Abitur im Vergleich zu allen Erstsemestern des Bundeslands aufgenommen hat.

Bei den Studierenden ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (HZB) ist lediglich ein marginaler Anstieg auf eine Quote von 1,3 Prozent zu verzeichnen. Schleswig-Holstein bleibt damit im Bundesländervergleich auf Rang 13.

Einen Rückgang gibt es hingegen bei den Hochschulabsolvent*innen ohne (Fach-)Abitur. Mit der derzeitigen Quote von 1 Prozent verliert Schleswig-Holstein im Ländervergleich einen Platz und landet auf dem vorletzten Rang.

Alles in allem liegen alle Werte für Schleswig-Holstein unterhalb des Bundesdurchschnitts.