Nachfrage nach Studienfächern

Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften beliebteste Studienfächer

In den zurückliegenden Jahren war die Fächerwahl der Studienanfänger*innen ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife in großen Teilen relativ konstant; dies gilt auch für das aktuelle Berichtsjahr 2020. Die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften stehen erneut an der Spitze der Beliebtheitsskala, gefolgt von den Ingenieurwissenschaften und dem Bereich Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften:

In den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, die laut den jüngsten Zahlen aus dem Jahr 2020 mit 54 Prozent etwas mehr als die Hälfte aller Erstsemester ohne Abitur aufnehmen, ist die Quote im Vergleich zu den beiden Vorjahren marginal gesunken. Auch der Anteil der Ingenieurwissenschaften verliert leicht und erreicht 19,2 Prozent. Damit bleiben die Ingenieurwissenschaften an zweiter Stelle der Liste der am häufigsten nachgefragten Studienfächer. Beide Platzierungen entsprechen auch den Präferenzen der Studienanfänger*innen mit schulischer Hochschulzugangs-berechtigung (HZB). Jedoch liegen die Werte hier bei 40,6 Prozent (Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften) sowie 26,4 Prozent (Ingenieurwissenschaften).

Der Studienbereich Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften wächst, wie bereits in den beiden Vorjahren, und rangiert mit 14,1 Prozent an dritter Position. Ein genauer Blick auf die Aufteilung der Studienanfänger*innen ohne Abitur getrennt nach Humanmedizin (inklusive Zahnmedizin) sowie Gesundheitswissenschaften zeigt, dass hier rund 94 Prozent (2.008 Personen) in einem gesundheitswissenschaftlichen Studiengang und nur sechs Prozent (128 Personen) im Bereich Humanmedizin oder Zahnmedizin eingeschrieben sind. Ein etwas anderes Bild ergibt sich beim Blick auf die Quote der Studienanfänger*innen mit (Fach-)Abitur. Hier belegt der Bereich Humanmedizin/ Gesundheitswissenschaften lediglich den fünften Rang mit einem Anteil von 5,4 Prozent.

Deutlich weniger nachgefragt bei den Erstsemestern ohne schulische HZB sind die Fächergruppen Kunst/Kunstwissenschaften (4,8 %), Geisteswissenschaften (3,3 %) sowie Mathematik/Naturwissenschaften (2,5 %). Im Vergleich zum vorherigen Berichtszeitraum gibt es hier nur marginale Unterschiede. Mit Nachfragewerten von unter zwei Prozent werden die Studienbereiche Agrar-, Forst-, Ernährungswissen-schaften und Veterinärmedizin (1,7 %), Sport (0,4 %) und sonstige Studienbereiche außerhalb der Studienbereichsgliederung (0,05 %) nachgefragt.

Bei den Studienanfänger*innen mit (Fach-)Abitur ergibt sich eine andere Reihenfolge. An dritter Position der Nachfrageskala liegen Mathematik/Naturwissenschaften mit 10,8 Prozent, gefolgt von den Geisteswissenschaften mit 10,3 Prozent auf Rang vier. Nach dem Bereich Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften auf Position 5 folgen Kunst/Kunstwissenschaften (2,97 %) Agrar-, Forst-, Ernährungswissenschaften und Veterinärmedizin (2,2 %), Sport (0,95 %) sowie die sonstigen Fächer (0,4 %). Wie viele Erstsemester sich für die jeweiligen Fächer entschieden haben zeigt folgende Tabelle:

Weiterhin großer Bedarf an Fachkräften im MINT-Bereich

Einer der zentralen Push-Faktoren für das Thema „Studieren ohne Abitur“ ist der von der Wirtschaft häufig beklagte Fachkräftemangel. Dabei steht die Mangelsituation bei den MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) besonders im Blickpunkt. Jedoch hat der Ausbruch der Corona-Pandemie auch diesen Bereich entscheidend beeinflusst.

„Die Fachkräftelücke in Berufen mit MINT-Schwerpunkt – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – ist in Deutschland coronabedingt stark geschrumpft. Doch der langfristige Bedarf ist nicht gesunken. Ganz im Gegenteil: Aufgrund der Altersstruktur der MINT-Beschäftigten dürfte er in den kommenden Jahren weiter steigen.“ (Institut der deutschen Wirtschaft: MINT-Herbstreport 2020).

Insgesamt ist die Zahl der offenen Stellen in Deutschland in diesem Bereich von 235.800 (Durchschnitts-Oktober-Wert 2014 bis 2019) auf 108.700 im Oktober 2020 gesunken. Davon entfallen rund 55.300 Stellen auf Ausschreibungen in MINT-Expertentätigkeiten, bei denen in der Regel Akademiker*innen gesucht werden. Die meisten offenen Stellen (rund 41 %) sind nach wie vor im Bereich der Energie- und Elektroberufe zu finden.