Quantitative Entwicklung in den Bundesländern

Die quantitative Entwicklung beim Studium ohne Abitur verläuft in den 16 Bundesländern traditionell sehr unterschiedlich. Das trifft auch für das aktuelle Berichtsjahr 2020 zu, und zwar sowohl bezogen auf die Zahlen der Studienanfänger*innen und Studierenden als auch die der Hochschulabsolvent*innen. Die nachfolgende interaktive Grafik gibt gemeinsam mit dem anschließenden erläuternden Text vertiefte Informationen und bietet über die Auswahlfunktion in der rechten Spalte zudem auch Vergleichsmöglichkeiten zwischen den Bundesländern.

Mit der interaktiven Grafik können Sie die quantitative Entwicklung in den Bundesländern mittels verschiedener Filter individuell darstellen und interessenbezogen untersuchen. Der Fokus kann dabei beispielsweise auf gesonderte Personengruppen wie Studienanfänger*innen, Studierende oder Absolvent*innen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung gelegt werden. Zudem können verschiedene Jahre und/oder Bundesländer unabhängig voneinander oder im Vergleich zueinander betrachtet werden.


Thüringen im Ländervergleich der Studienanfänger*innen erstmals Spitzenreiter

Zu den drei Bundesländern mit den höchsten Anteilen an Studienanfänger*innen ohne Abitur im Jahr 2020 zählen Thüringen (10,8 %), Hamburg (4,7 %) und Bremen (3,7 %). In Thüringen konnte mit einem deutlichen Plus von 5,9 Prozent gleichzeitig ein neuer Höchstwert erreicht werden. Die drastische Erhöhung kann auf den Standortwechsel einer Hochschule, der IU Internationale Hochschule, zurückgeführt werden. Diese hat ihren Hauptstandort von Nordrhein-Westfalen nach Thüringen verlegt, sodass die Erstsemester nun einem anderen Bundesland zugezählt werden. Thüringen ist gleichzeitig das erste Bundesland, welches die Zehn-Prozent-Marke überschritten hat. Im Vergleich mit den anderen Bundesländern belegt Thüringen zum ersten Mal und mit deutlichem Abstand den ersten Rang. Hamburg steigt auf den zweiten Rang ab. Der Anteil ist von 5,3 Prozent im Jahr 2019 auf 4,7 Prozent im Jahr 2020 gesunken. Wie auch im Vorjahr belegt Bremen den dritten Rang mit einem Anteil von 3,7 Prozent, welcher allerdings im Vergleich zu 2019 deutlich gesunken ist (minus 0,8 %). Hessen (3,6 %) folgt erneut auf dem vierten Rang, obwohl die Anteile gefallen sind (minus 0,5 %). Rheinland-Pfalz klettert mit einem Anteil von 3,5 Prozent auf den fünften Rang. Alle bisher genannten Bundesländer liegen deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 3,1 Prozent.

Berlin gehört zu den Bundesländern, die noch vor einigen Jahren zu der Spitzengruppe gehörte. Aufgrund eines relativ hohen Anteils von 3,04 Prozent beruflich qualifizierten Erstsemestern an allen Studienanfänger*innen sowie eines leicht gestiegenen Anteils (plus 0,1 %) erreicht die Hauptstadt den sechsten Rang. Danach folgt Nordrhein-Westfalen mit einem Anteil von drei Prozent, welcher im Vergleich zum Jahr 2019 deutlich gesunken ist (minus 0,6 %). Erneut macht sich hier der Standortwechsel der IU Internationale Hochschule bemerkbar. Bayern (plus 0,2 %) und Niedersachsen (plus 0,3 %) können ihre Platzierung im bundesweiten Vergleich der Erstsemesterquoten verbessern. So steigt Bayern mit einem Anteil von 2,7 Prozent vom neunten auf den achten Platz auf, Niedersachsen klettert mit einem Anteil von 2,3 Prozent vom elften auf den zehnten Rang. In beiden Bundesländern wurden gleichzeitig neue Höchstwerte erreicht. Dagegen fällt Mecklenburg-Vorpommern mit einem leicht gesunkenen Anteil (minus 0,1 %) von 2,6 Prozent vom achten auf den neunten Rang, während Brandenburg (minus 0,3 %) den zehnten gegen den elften Platz tauscht. Trotz eines minimal gesunkenen Anteils (minus 0,03 %) steigt Sachsen mit einem Anteil von 1,7 Prozent vom dreizehnten auf den zwölften Rang auf.

Die vier Bundesländer mit den geringsten Erstsemesteranteilen ohne schulische HZB sind erneut Schleswig-Holstein (1,6 %), das Saarland, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg (jeweils 1,5 %). Im Vergleich zum Vorjahr sind die Anteile in Schleswig-Holstein und dem Saarland (jeweils plus 0,2 %) sowie Baden-Württemberg (plus 0,1 %) gestiegen, während sie in Sachsen-Anhalt gesunken sind (minus 0,3 %).

 

TOP 3 Plätze bei der Studierendenquote unverändert

Wie auch im Vorjahr liegt Thüringen mit einem Anteil von 7,2 Prozent auf dem ersten Platz (plus 0,8 %). Gleichzeitig wird ein neuer Höchstwert erreicht. Wie bereits erwähnt geht diese Entwicklung auf die Verlegung des Hauptstandorts der IU Internationale Hochschule von Nordrhein-Westfalen nach Thüringen zurück. Hamburg wird durch diese Entwicklung von seiner langjährigen Spitzenposition erneut auf den zweiten Platz verwiesen. Die Quote des Stadtstaats sinkt leicht (minus 0,1 %) und erreicht mit 4,3 Prozent einen Wert, der im Gegensatz zu früheren Jahren die Fünf-Prozent-Marke nicht mehr erreicht. Wie bei den Erstsemestern ohne (Fach-)Abitur nimmt Bremen trotz eines gesunkenen Anteils (minus 0,2 %) bei den Studierenden den dritten Platz ein. Rheinland-Pfalz klettert mit einem Anteil von drei Prozent auf den vierten Platz (plus 0,1 %) und erreicht gleichzeitig einen neuen Höchstwert. Berlin fällt (minus 0,3 %) mit einem Anteil von 2,7 Prozent auf den fünften Platz. Alle bisher genannten Bundesländer liegen über den Bundesdurchschnitt von 2,24 Prozent.

Mecklenburg-Vorpommern (2,2 %) und Bayern (2,1 %) folgen auf den Rängen sieben und acht. Hier sind die Anteile im Vergleich zum Vorjahr minimal gestiegen, was in beiden Bundesländern zu neuen Höchstwerten führt. Den neunten Rang erreicht Nordrhein-Westfalen mit einem Anteil von zwei Prozent. Hier zeigt sich seit geraumer Zeit ein Abwärtstrend (minus 0,1 % im Vergleich zum Vorjahr), welcher auch auf den Hochschulstandortwechsel der IU Internationale Hochschule zurückzuführen ist. Bei Betrachtung der absoluten Zahlen liegt Nordrhein-Westfalen allerdings mit 15.695 Studierenden ohne Abitur deutlich vor allen anderen Bundesländern, deren absolute Zahlen eher im unteren bis mittleren vierstelligen Bereich liegen.

In Niedersachsen (1,7 %), Sachsen-Anhalt (1,5 %), Brandenburg (1,4 %) und Schleswig-Holstein (1,3 %) sind die Platzierungen im Bundesländervergleich gleichgeblieben. Bei den Anteilen gibt es nur minimale Abweichungen nach oben oder unten. Auch in den drei Bundesländern mit den niedrigsten Anteilen gibt es nur geringfügige Unterschiede zum Vorjahr. Die Schlussgruppen bei den Studierenden ohne Abitur in Deutschland bilden, genau wie im vorherigen Berichtszeitraum, Baden-Württemberg (1,2 %), Sachsen (1,2 %) und das Saarland (1,15 %).

 

Berlin bei den Hochschulabsolvent*innen erstmals auf dem ersten Rang

Berlin führt die Spitzengruppe bei den Hochschulabsolvent*innen ohne (Fach-)Abitur mit einem neuen Höchstwert von 3,1 Prozent erstmals an. Hamburg büßt 0,6 Prozentpunkte ein und liegt mit drei Prozent auf dem zweiten Rang. Der dritte Platz geht, genau wie im Vorjahr, an Rheinland-Pfalz mit 2,6 Prozent. Die Quote konnte im Vergleich zum Vorjahr (plus 0,2 %) erneut gesteigert werden. Hessen nimmt im aktuellen Berichtsjahr mit einem Anteil von 2,3 Prozent den vierten Platz ein. Bremen (2,2 %) folgt auf dem fünften und Thüringen (2,1 %) auf dem sechsten Rang. Alle drei Bundesländer konnten die Anteile deutlich steigern. In Hessen liegt die Zunahme bei 0,5 Prozent, in Bremen bei 0,9 Prozent und in Thüringen bei 0,6 Prozent. Bayern rutscht hingegen mit einem nahezu unveränderten Anteil von zwei Prozent vom vierten auf den siebten Rang. Alle bisher genannten Bundesländer liegen über den Bundesdurchschnitt von 1,8 Prozent.

Mecklenburg-Vorpommern (1,7 %) fällt trotz des gestiegenen Anteils (plus 0,2 %) auf den achten Platz. Niedersachsen (1,6 %) und Nordrhein-Westfalen (1,5 %) rutschen mit nahezu unveränderten Anteilen auf die Plätze neun und zehn. In Sachsen sind die Anteile gestiegen (plus 0,2 %), sodass das Bundesland nun auf dem elften Rang mit 1,24 Prozent liegt. Brandenburg folgt mit einem Anteil von 1,2 Prozent auf dem zwölften Rang (minus 0,2 %). Baden-Württemberg klettert zwei Plätze nach oben und belegt mit einem neuen Höchstwert von 1,1 Prozent den dreizehnten Rang (plus 0,1 %). Die Schlussgruppe bilden Sachsen-Anhalt (1,06 %), Schleswig-Holstein (1,0 %) und das Saarland (0,8 %). Im Vergleich zum Vorjahr sind die Anteile in allen drei Bundesländern leicht gesunken.