Quantitative Entwicklung nach Hochschultyp und Trägerschaft

Wie sieht die Beteiligung an einem Studium ohne Abitur in den Hochschulen der einzelnen Bundesländer aus? Gibt es hier Unterschiede zwischen Universitäten und Fachhochschulen bzw. Hochschulschulen für angewandte Wissenschaften? Bevorzugen beruflich Qualifizierte eher staatliche oder private Hochschulen? Diesen und anderen hochschulspezifischen Fragen können Sie mit Hilfe der nachfolgenden interaktiven Grafik nachgehen. Die Auswahlfunktionen in der rechten Spalte ermöglichen es, die Angaben pro Bundesland nach Hochschultyp, Trägerschaft sowie nach den jeweiligen Anteilen der Studienanfänger*innen, Studierenden und Hochschulabsolvent*innen zu filtern. Eine genaue Beschreibung der Handhabung befindet sich unterhalb der interaktiven Grafik. Der begleitende Text bietet darüber hinaus einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen in diesem Bereich.

Mit der interaktiven Grafik können Sie die absoluten Zahlen sowie Anteile der Studienanfänger*innen, Studierenden und Absolvent*innen ohne Abitur an allen Personen der jeweiligen Personengruppe in den einzelnen Bundesländern mittels verschiedener Filter ganz einfach individuell darstellen, indem Sie mit der Maus über die Bundesländer fahren. Der Fokus kann dabei auf einzelne Hochschultypen oder aber auf die Hochschulträgerschaften gelegt werden. Auch eine Kombination einzelner Komponenten ist möglich, sodass beispielsweise die Anteile der Hochschulabsolvent*innen ohne Abitur an allen Absolvent*innen angezeigt werden können, die 2020 von staatlichen Universitäten der Bundesländer entlassen wurden. 

Zwei Drittel der Studienanfänger*innen entscheidet sich für anwendungsorientierte Hochschulen

In der vorliegenden Statistik werden Daten von insgesamt 468 Institutionen (davon 121 Universitäten und gleichgestellte Hochschulen, 293 Fachhochschulen (FH) beziehungsweise Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) und 54 Kunst- und Musikhochschulen) berücksichtigt. Sofern eine Hochschule mehrere Standorte hat, werden die Daten für alle Standorte separat ausgewiesen. Insgesamt werden nahezu alle deutschen Hochschulen erfasst.

Im aktuellen Berichtsjahr 2020 nehmen die FH/HAW 10.773 der insgesamt 15.161 Studienanfänger*innen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (HZB) auf. Damit liegen die anwendungsorientierten Hochschulen in der Gunst der beruflich qualifizierten Studierenden unverändert ganz weit vorne. Sie können sogar im Vergleich zu den Vorjahren ihren Anteil an Erstsemestern ohne Abitur nochmals steigern und erreichen einen Wert von 71,1 Prozent. Demgegenüber nehmen die Universitäten im aktuellen Berichtszeitraum 3.860 beruflich Qualifizierte auf, was einem Anteil von 25,5 Prozent entspricht. Analog zu den steigenden Tendenzen an FH/HAW ist bei den Universitäten seit Jahren ein abnehmender Trend zu erkennen. Leicht rückläufig sind die Zahlen auch an Kunst- und Musikhochschulen. Dort haben sich im aktuellen Berichtsjahr 528 Nicht-Abiturient*innen eingeschrieben, was einer Quote von 3,5 Prozent entspricht.

Die Werte der Studierenden zeigen gegenüber der Erstsemesterquoten einige Abweichungen. Im Berichtsjahr 2020 gibt es insgesamt 65.916 Studierende ohne Abitur, wovon rund 62 Prozent an einer FH/HAW, 33 Prozent an einer Universität und fünf Prozent an einer Kunst- und Musikhochschule eingeschrieben sind.

Von den FH/HAW wurden mit 5.542 Absolvent*innen ohne Abitur mehr als doppelt so viele Personen erfolgreich in den Arbeitsmarkt entlassen als von den Universitäten mit 2.318 Graduierten ohne schulische HZB. Das bedeutet, dass 66,3 Prozent aller beruflich qualifizierten Hochschulabsolvent*innen von einer FH/HAW und 27,7 Prozent von einer Universität kommen. Die Kunst- und Musikhochschulen können im aktuellen Berichtsjahr auf 507 Hochschulabsolvent*innen blicken, was einem Anteil von 6,1 Prozent entspricht.

Wie groß die Anteile der Studienanfänger*innen, Studierenden und Absolvent*innen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung im Verhältnis zu allen Personen sind, die eine Hochschule besuchen, zeigt folgende Tabelle:

Bezogen auf die Nachfragen in den unterschiedlichen Hochschultypen zeigen die Daten der obigen interaktiven Grafik, dass im Universitätssektor die Länder Nordrhein-Westfalen (2,6 %), Rheinland-Pfalz (2,2 %) und Berlin (2,1 %) die höchsten Anteile beruflich qualifizierter Studienanfänger*innen aufweisen. Bei den Studierendenquoten führen hier Rheinland-Pfalz (2,2 %), Berlin (2 %) sowie Hamburg (1,9 %). Beim Anteil der der Hochschulabsolvent*innen, die ohne allgemeine Hochschul- oder Fachhochschulreife ins Studium gelangt sind, belegen wiederum Berlin (2,4 %) und Hamburg (1,8 %) sowie Rheinland-Pfalz (1,8 %) die ersten Plätze.

Im Sektor der FH/HAW fallen die Anteile in allen Bundesländern erwartungsgemäß höher aus. In der Kategorie der Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur liegt Thüringen mit einem Anteil von 13,8 Prozent mit Abstand vorne. Danach folgen Hamburg (7,2 %) und Bremen (7,2 %). Bei den beruflich qualifizierten Studierenden erreicht Thüringen einen Anteil von 10,6 Prozent, Bremen 6,7 Prozent und Hamburg 6,6 Prozent. Mit diesen Spitzenwerten liegt das Trio weit vor den anderen Bundesländern. Die Quoten der FH/HAW in der Kategorie Hochschulabsolvent*innen sind in Bremen und Hessen mit jeweils 4,4 Prozent am größten, gefolgt von Thüringen mit 4,2 Prozent.

In Bayern liegt der Anteil der Erstsemester ohne (Fach-)Abitur an Kunst- und Musikhochschulen bei 28,2 Prozent. Damit nimmt Bayern in dieser Kategorie mit Abstand die Spitzenposition ein. Mit 16,7 Prozent folgt Schleswig-Holstein, dahinter liegt Sachsen mit einem Anteil von 15,8 Prozent. Bei den Studierenden ohne schulische HZB führen erneut die künstlerischen Hochschulen aus Bayern (17,3 %), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (11 %) und Sachsen (10,2 %). Die Spitzenreiter der Kategorie Hochschulabsolvent*innen ohne (Fach-)Abitur sind Nordrhein-Westfalen mit 13,7 Prozent, Hamburg mit 13,2 Prozent und Sachsen mit 10,9 Prozent. Auch Sachsen-Anhalt (10,3 %) und Bayern (9,8 %) liegt weit vorne.

 

Nachfrage an privaten Hochschulen im Aufwind

Im Berichtsjahr 2020 nehmen die staatlichen Hochschulen 8.045 Studienanfänger*innen ohne Abitur, das ist der niedrigste Wert innerhalb der letzten zehn Jahre. Ein Aufwärtstrend ist dagegen an privaten Hochschulen zu beobachten. Dort steigt die Zahl der beruflich qualifizierten Erstsemester auf insgesamt 6.678. Die kirchlichen Hochschulen nehmen 429 Personen Studienanfänger*innen ohne schulische HZB auf. Auch hier sind kontinuierlich wachsende Zahlen zu beobachten.

Die Anzahl der Studierenden ist ebenfalls sehr unterschiedlich je nach Trägerschaft der Hochschulen. An den staatlichen Hochschulen sind aktuell 40.437 beruflich Qualifizierte eingeschrieben, an den privaten Hochschulen mit 23.894 Personen etwas mehr als die Hälfte. Den geringsten Wert weisen die kirchlichen Hochschulen mit 1.585 Personen auf.

Von insgesamt 8.367 Hochschulabsolvent*innen verlassen im aktuellen Berichtszeitraum 5.457 Personen eine staatliche, 2.578 eine private und 332 eine kirchliche Hochschule.

Bei Betrachtung der trägerschaftspezifischen Werte mittels der oben stehenden interaktiven Grafik pro Bundesland wird erkennbar, dass die staatlichen Hochschulen in Rheinland-Pfalz (3,5 %) anteilig die meisten Studienanfänger*innen ohne Abitur in Deutschland aufnimmt, gefolgt von Nordrhein-Westfalen (2,5 %) und Mecklenburg-Vorpommern (2,4 %). Die höchsten Studierendenquoten weisen Rheinland-Pfalz (3 %), Mecklenburg-Vorpommern (2,1 %) sowie Hamburg (2,1 %) auf. Zudem haben die staatlichen Hochschulen von Rheinland-Pfalz anteilig die meisten Absolvent*innen ohne schulische HZB (2,6 %). Danach folgen Hamburg (2,2 %) und Berlin (2 %).

Die höchste Studienanfänger*innenquote an privaten Hochschulen verzeichnet in diesem Jahr Bremen mit 17,9 Prozent. Es folgen Thüringen (15,8 %) und Hessen (13,5 %). Bei den Studierendenquoten an Privathochschulen führt ebenfalls Bremen (17 %), gefolgt von Thüringen (13,1 %) und Hessen (10,2 %). Den größten Anteil an Hochschulabsolvent*innen ohne Abitur entlassen die privaten Hochschulen in Thüringen (13,5 %), Bremen (11,1 %) und Hessen (10,5 %).

Bei den kirchlichen Hochschulen weist Sachsen mit 22,9 Prozent die höchsten Anteile an Studienanfänger*innen ohne schulische HZB auf. Nordrhein-Westfalen kommt auf 11,6 Prozent und Berlin auf 7,9 Prozent. Bei den Studierendenquoten sind die kirchlichen Hochschulen in der Hansestadt Hamburg mit auf dem ersten Rang (7,2 %). Es folgen Nordrhein-Westfalen mit 7,2 Prozent und Sachsen mit 6,7 Prozent. Die meisten Anteile an Absolvent*innen in dieser Kategorie hat mit 16,3 Prozent Hamburg. Mit großem Abstand folgen Brandenburg mit 8,3 Prozent und Berlin mit 7,1 Prozent.

 

Zahl der beruflich Qualifizierten an Universitäten weiter rückläufig

Im Laufe der Zeit haben sich die Anteile der Studienanfänger*innen an den verschiedenen Hochschultypen verschoben. Lag die entsprechende Quote der Universitäten im Jahr 2011 noch bei mehr als 50 Prozent, so liegt sie 2020 bei knapp 25 Prozent. Im gleichen Zeitraum ist bei den FH/HAW ein deutliches Wachstum zu beobachten. Auch die Kunst- und Musikhochschulen verzeichnen eine zunehmende Nachfrage, wie nachfolgende Abbildung zeigt:

Im Jahr 2020 nehmen die FH/HAW bundesweit rund 71 Prozent der Studienanfänger*innen ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife auf – mit nach wie vor steigender Tendenz. 2011 lag der entsprechende Anteil bei rund 48 Prozent. In absoluten Zahlen ausgedrückt nahmen 2011 die Universitäten noch 279 beruflich Qualifizierte mehr auf als die FH/HAW. Nachdem sich dieses Verhältnis 2012 umkehrte, nehmen die FH/HAW im Berichtsjahr 2020 bereits 6.913 Studienanfänger*innen ohne Abitur mehr auf als die Universitäten. Auch die Kunst- und Musikhochschulen können auf einen positiven Trend blicken, denn ihre Zahl an Erstsemestern hat sich seit 2011 vervierfacht. Hierbei muss jedoch berücksichtigt werden, dass die sprunghafte Entwicklung an den künstlerischen Hochschulen zwischen 2015 und 2016 mit großer Wahrscheinlichkeit auf die Auswirkungen der geänderten Systematik in der Hochschulstatistik des Statistischen Bundesamtes zurückzuführen ist (näheres dazu unter der Rubrik Informationen zu den verwendeten Daten).

Bei der Entwicklung der Studienanfänger*innen ohne Abitur hinsichtlich unterschiedlicher Hochschulträgerschaften ergeben sich ebenfalls deutliche Trends:

Während der Anteil der Studienanfänger*innen ohne schulische HZB an den staatlichen Hochschulen seit Jahren konstant bei etwa zwei Prozent liegt, ist an Hochschulen in privater sowie kirchlicher Trägerschaft ein deutlicher Aufwärtstrend zu beobachten. So ist der Anteil der kirchlichen und privaten Hochschulen seit 2011 um mehr als drei Prozent gestiegen. Bei Betrachtung der absoluten Zahlen wird deutlich, dass der Zulauf an privaten Hochschulen deutlich gestiegen ist. Waren es 2011 noch 2.090 Studienanfänger*innen ohne Abitur, so ist ihre Anzahl im Jahr 2020 auf 6.678 gestiegen. Die kirchlichen Hochschulen haben im gleichen Zeitraum einen Zuwachs von 171 Erstsemestern ohne Abitur verzeichnen können.

Obwohl der Anteil der Studienanfänger*innen ohne schulische HZB an staatlichen Hochschulen seit Jahren konstant bleibt, ist ihre Anzahl verglichen mit privaten und kirchlichen Hochschulen am größten und liegt im aktuellen Berichtsjahr bei 8.054 Personen. Im Jahr 2018 wurde hier der Höchstwert von 10.246 Personen erreicht.