Berlin

Seit Beginn der 2000er Jahre nimmt Berlin eine führende Position beim Studium ohne Abitur in Deutschland ein. Alle drei Kategorien (Studienanfänger*innen, Studierende, Absolvent*innen) haben sich bei einem bundeslandbezogenen Anteil von über drei Prozent eingependelt. Obwohl aktuell ein Abwärtstrend insbesondere bei der Zahl der Erstsemester ohne (Fach-)Abitur zu beobachten ist, liegt der Stadtstaat insgesamt immer noch über dem Bundesdurchschnitt. Beim Anteil der Absolvent*innen ohne Abitur erreicht Berlin im Bundesländervergleich sogar den ersten Platz. Eine Besonderheit beim Hochschulzugang ohne (Fach-)Abitur besteht in Berlin darin, dass Personen, die eine abgeschlossene Berufsausbildung besitzen, nur dann eine Eignungsprüfung ablegen müssen, wenn keine fachliche Nähe zum Studienfach besteht. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass in der Hauptstadt für diesen Personenkreis die Möglichkeit besteht, bei Bedarf ein Studienfach unabhängig vom erlernten Beruf zu wählen. Dieser Weg steht in den meisten anderen Bundesländern nur Inhaber*innen einer abgeschlossenen Aufstiegsfortbildung offen. Seit Herbst 2021 muss für eine fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung keine Berufserfahrung mehr nachgewiesen werden, sofern eine mindestens zweijährige Berufsausbildung abgeschlossen wurde.

Zugangsbedingungen

Hochschulzugang für Meister- und sonstige berufliche Fortbildungsabschlüsse

Berechtigung:
Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
Einschränkungen:
Nein

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

Berechtigung:
Fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung
Voraussetzungen:
Fachlich ähnliche Berufsausbildung (2 Jahre)
Eignungsprüfung erforderlich:
Nur wenn keine fachliche Verwandtschaft zwischen der Berufsausbildung und dem gewählten Studiengang besteht
Probestudium möglich:
Nein

Gesetzliche Regelungen

Hochschulzugang für Meister- und sonstige berufliche Fortbildungsabschlüsse

§ 11 Abs. 1 BerlHG: Eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung besitzt, wer „eine Aufstiegsfortbildung nach den Bestimmungen der Handwerksordnung, des Berufsbildungsgesetzes oder vergleichbaren bundes- oder landesrechtlichen Regelungen bestanden hat“ (u. a. im nautischen oder technischen Schiffsdienst oder „einer landesrechtlich geregelten Fortbildungs- oder Weiterbildungsmaßnahme [...] für Berufe im Gesundheitswesen sowie im sozialpflegerischen oder pädagogischen Bereich“) oder „eine Fachschulausbildung an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Fachschule im Sinne des § 34 des Schulgesetzes oder eine vergleichbare Ausbildung in einem anderen Bundesland abgeschlossen hat“.

 

Hochschulzugang für sonstige beruflich Qualifizierte

§ 11 Abs. 2 BerlHG: Wer in einem zum angestrebten Studiengang fachlich ähnlichen Beruf eine durch Bundes- oder Landesrecht geregelte mindestens zweijährige Berufsausbildung abgeschlossen hat, ist berechtigt, ein seiner bisherigen Ausbildung entsprechendes grundständiges Studium an einer Hochschule aufzunehmen (fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung).

§ 11 Abs. 3 BerlHG: Wer über eine fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung nach Absatz 2 verfügt, ist darüber hinaus berechtigt, an einer Hochschule in einem frei gewählten grundständigen Studiengang ein Studium aufzunehmen, wenn er oder sie die Studierfähigkeit in dem Fach in einer Zugangsprüfung nachgewiesen hat. Bei der Festlegung der Prüfungsinhalte sind die Vorkenntnisse, die im Rahmen des Besuchs einer berufsbildenden Schule erworben werden, in angemessener Weise zu berücksichtigen. Die Prüfung kann in jedem Bewerbungszeitraum abgelegt und wiederholt werden. Die Hochschulen bieten hierfür geeignete Informationen und Vorbereitungsmöglichkeiten an.


Wechsel aus einem anderen Bundesland/Wechsel aus einem anderen Land

§ 11 Abs. 4 BerlHG: Wer auf Grund einer beruflichen Qualifikation ein mindestens einjähriges Hochschulstudium in einem anderen Bundesland erfolgreich absolviert hat, kann unbeschadet des Absatzes 2 das Studium in einem ähnlichen Studiengang an einer Berliner Hochschule fortsetzen.

§ 11 Abs. 5 BerlHG: Eine Hochschulzugangsberechtigung nach Absatz 1 oder Absatz 2 erhält auch, wer eine berufliche Ausbildung im Ausland nachweist, die denen der Absätze 1 oder 2 entspricht.

 

Zulassung zu weiterbildenden Masterstudiengängen und Weiterbildungsangeboten

§ 10 Abs. 5 BerlHG: „Zugangsvoraussetzung für Masterstudiengänge ist der berufsqualifizierende Abschluss eines Hochschulstudiums, bei weiterbildenden Masterstudiengängen zusätzlich eine daran anschließende qualifizierte berufspraktische Erfahrung von in der Regel nicht unter einem Jahr; darüber hinausgehende Eignungs- und Qualifikationsvoraussetzungen dürfen nur gefordert werden, wenn sie wegen spezieller fachlicher Anforderungen des jeweiligen Masterstudiengangs nachweislich erforderlich sind. Die Bestätigung der Satzung erstreckt sich neben der Rechtmäßigkeit auch auf die Zweckmäßigkeit."

§ 10 Abs. 5a BerlHG: „Die Zulassung zu einem Masterstudiengang kann auch beantragt werden, wenn ein erster berufsqualifizierender Hochschulabschluss vorliegt, aber noch nicht nachgewiesen werden kann, oder wegen Fehlens einzelner Prüfungsleistungen noch nicht vorliegt und auf Grund des bisherigen Studienverlaufs, insbesondere der bisherigen Prüfungsleistungen zu erwarten ist, dass dieser Abschluss vor Beginn des Masterstudienganges erlangt wird und die Maßgaben, die auf Grund des Absatzes 5 Voraussetzung für den Zugang zu dem Masterstudiengang sind, ebenso rechtzeitig erfüllt sind. Soweit nach den Regelungen des Berliner Hochschulzulassungsgesetzes ein Auswahlverfahren durchzuführen ist, in das das Ergebnis des ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschlusses einbezogen ist, nehmen Bewerber und Bewerberinnen nach Satz 1 am Auswahlverfahren mit einer Durchschnittsnote teil, die auf Grund der bisherigen Prüfungsleistungen ermittelt wird. Das Ergebnis des ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschlusses bleibt insoweit unbeachtet. Eine Zulassung ist im Falle einer Bewerbung nach Satz 1 unter dem Vorbehalt auszusprechen, dass der erste berufsqualifizierende Hochschulabschluss und die mit ihm zusammenhängenden Voraussetzungen des Absatzes 5 in der Regel zum Ende des ersten Fachsemesters nachgewiesen werden. Wird der Nachweis nicht fristgerecht geführt, erlischt die Zulassung. Das Nähere regeln die Hochschulen durch Satzung."

§ 26 BerlHG: Die Hochschulen sollen Möglichkeiten der hochschulischen Weiterbildung entwickeln und anbieten, wobei die besonderen Bedürfnisse der jeweiligen Zielgruppen, insbesondere die Lebenssituation von Teilnehmenden mit familiären Aufgaben sowie von Berufstätigen zu beachten sind. Weiterbildungsangebote sind neben weiterbildenden Studiengängen solche Angebote zur Weiterbildung, die auch Bewerbern und Bewerberinnen offenstehen, die die für eine Teilnahme erforderliche Eignung im Beruf oder auf andere Weise erworben haben. Die Weiterbildungsangebote sollen Erfahrungen aus der Berufspraxis und der beruflichen Ausbildung berücksichtigen und zur Erreichung der Qualifikationsziele an diese anknüpfen, sie vertiefen und erweitern.

 

Anrechnung von beruflichen Kenntnissen

§ 23a BerlHG: „In der Studien- und Prüfungsordnung vorgesehene Kompetenzen, die außerhalb der Hochschulen erworben worden sind, sind bis zur Hälfte der für den Studiengang vorgesehenen Leistungspunkte anzurechnen, sofern zwischen den erworbenen und den vorgesehenen Kompetenzen Gleichwertigkeit besteht.“

 

Quoten, Auswahlverfahren und Verbleib ungenutzter Studienplätze 

§ 6 Abs. 2 BerlHZVO regelt, dass eine Vorabquote von mindestens 4 Prozent für in der beruflichen Bildung qualifizierte Bewerber und Bewerberinnen vorzusehen ist, die über sonst keine Studienberechtigung verfügen. Wenn mindestens ein Bewerber oder eine Bewerberin zu berücksichtigen ist, muss mindestens ein Studienplatz zur Verfügung gestellt werden (§6 Abs. 4 BerlHZVO). Nicht in Anspruch genommene Studienplätze werden nach § 7 (Hochschulquoten) vergeben (§ 6 Abs. 5 BerlHZVO).

 

(Stand: März 2022)


Daten-Monitoring

Seit 2014 ist die anteilige Entwicklung der Studienanfänger*innen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (HZB) in Berlin rückläufig. Mit einem wieder leicht gestiegenen Anteil von 3 Prozent im Berichtsjahr 2020 liegt der Stadtstaat knapp unter dem Bundesdurchschnitt. Im Vergleich mit den anderen Bundesländern wird der 6. Rang erreicht. Hervorzugehen ist die Steinbeis-Hochschule Berlin, die fast ein Viertel der Studienanfänger*innen ohne Abitur in Berlin aufnimmt.

Bei der Studierendenquote verzeichnet die Hauptstadt mit einem Anteil von 2,7 Prozent einen Rückgang. Nichtsdestotrotz liegt der Anteil weiterhin deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 2,2 Prozent. Insgesamt 5.365 Personen studieren in Berlin ohne schulische HZB. Im Bundesländervergleich verliert Berlin einen Rang und landet auf dem 5. Platz.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Hochschulabsolvent*innen ohne Abitur. Hier liegt die Quote im aktuellen Berichtszeitraum bei 3,1 Prozent, was 907 Absolventen entspricht. Mit diesem Spitzenwert liegt die Hauptstadt im Vergleich mit den anderen Bundesländern auf dem ersten Rang.