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Anhaltende positive Entwicklung beim Studium ohne Abitur

Die Entwicklungen beim Studium ohne Abitur sind bundesweit weitgehend konstant. So erreicht der Anteil von 2,4 Prozent Studierenden ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung (HZB) an allen Studierenden exakt dasselbe Niveau wie im Vorjahr. Damit sind aktuell rund 70.000 Personen aus dieser Gruppe an einer deutschen Hochschule eingeschrieben. Bei den Hochschulabsolvent*innen ohne schulische HZB wird mit einem Anteil von 2,0 Prozent (10.270 Personen) ein neuer Höchstwert erreicht. Aus der Langfristperspektive betrachtet haben im Zeitraum 2010 bis 2024 insgesamt 104.941 Personen ohne (Fach-)Abitur erfolgreich einen Hochschulabschluss erworben. Etwas gestiegen ist ebenfalls die Zahl der Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur mit 13.073 Erstsemestern und einem Anteil von 2,7 Prozent an allen Studienanfänger*innen bundesweit (vgl. Quantitative Entwicklung in Deutschland). Für die Studierenden ohne (Fach-)Abitur steht weiterhin der Bachelorabschluss im Vordergrund. Rund neun von zehn der beruflich qualifizierten Studierenden sind in einem Bachelorstudium eingeschrieben. Einen Masterstudiengang absolvieren lediglich 12,4 Prozent aller Studierenden ohne schulische HZB im Bundesgebiet (vgl. Hochschulabschluss).

Große Unterschiede zwischen den Bundesländern

Zwischen den Bundesländern sind die Unterschiede bei der quantitativen Entwicklung nach wie vor groß. Mit einem Erstsemesteranteil von 5,8 Prozent liegt Bremen erstmals auf dem ersten Rang im Bundesländervergleich, gefolgt von Thüringen mit einem Anteil von 5,0 Prozent und Hamburg mit 4,5 Prozent (vgl. Quantitative Entwicklung in den Bundesländern). Der Spitzenplatz Bremens ist vor allem auf die APOLLON Hochschule für Gesundheitswissenschaften zurückzuführen. In Thüringen prägt insbesondere die IU Internationale Hochschule das Bild: Nach der Verlegung ihres Hauptsitzes von Nordrhein-Westfalen nach Erfurt werden sowohl die Studienanfänger*innen ohne Abitur als auch sämtliche Fernstudierenden dem Standort Thüringen zugerechnet, was sich deutlich in der Landesstatistik niederschlägt. Insgesamt 816 beruflich qualifizierte Studienanfänger*innen hat die private Hochschule im Jahr 2024 aufgenommen. Im Vergleich zu den Vorjahren zeigt sich hier ein deutlicher Abwärtstrend. Daher ist die staatliche FernUniversität in Hagen mit 1.128 Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur auf den ersten Platz unter den am stärksten nachgefragten Hochschulen vorgerückt. An zweiter Stelle folgt die FOM Hochschule für Oekonomie & Management Essen. Insgesamt gibt es hier 925 Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur (vgl. Hochschulnachfrage).

Anhaltender Bedeutungsverlust von Universitäten

Bei den Erstsemestern ohne (Fach-)Abitur sind die Fachhochschulen (FH)/Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) weiterhin am beliebtesten. Hier sind 71,2 Prozent der Studienanfänger*innen eingeschrieben. Das sind 9.304 Personen. Der kontinuierliche Aufwärtstrend der letzten Jahre setzt sich weiter fort. Im Jahr 2012 lag der Anteil der anwendungsorientierten Hochschulen noch bei rund 53 Prozent. Dagegen nimmt die Bedeutung der Universitäten stetig ab. Entschieden sich 2012 noch fast die Hälfte aller Erstsemester ohne (Fach-)Abitur für ein Studium an einer Universität, sind es jetzt nur noch 24,3 Prozent. Die Bedeutung der Kunst- und Musikhochschulen hat kontinuierlich zugenommen und bleibt mit 4,6 Prozent weiterhin vergleichsweise auf niedrigem Niveau. Ein anderes Bild zeigt sich, wenn man den Anteil der Studienanfänger*innen ohne schulische HZB an allen Studienanfänger*innen je Hochschultyp betrachtet. An FH/HAW liegt der Anteil bei 4,2 Prozent und an Universitäten bei 1,2 Prozent. Mit 11,4 Prozent fällt dieser Wert an Kunst- und Musikhochschulen am höchsten aus (vgl. Hochschultyp und Trägerschaft). Weiterhin haben sich an diesem Hochschultyp besonders viele Personen, nämlich 96 Prozent, durch das Ablegen einer Begabtenprüfung für das Studium qualifiziert (vgl. Hochschulzugang).

Rückgang bei privaten Hochschulen

Zwischen 2012 und 2024 hat sich der Anteil der Studienanfänger*innen ohne schulische HZB von 22,5 Prozent auf 38,3 Prozent erhöht. Unter den zehn nachgefragtesten Hochschulen sind sechs in privater Trägerschaft. Allerdings zeigt sich bei diesen seit 2021 ein Rückgang. So lag der Anteil vor drei Jahren bei 48,1 Prozent. Staatliche Hochschulen bleiben mit 7.663 Erstsemestern (59 %) die bevorzugte Wahl. Kirchliche Hochschulen (3,0 %) spielen weiterhin eine untergeordnete Rolle. Mit einem Anteil von 7,9 Prozent ist der Anteil der Studienanfänger*innen an allen Studienanfänger*innen dort aber weiterhin deutlich höher als an staatlichen Hochschulen. Hier liegt der Anteil bei 1,8 Prozent (vgl. Hochschultyp und Trägerschaft).

Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften beliebteste Studienfächer

Seit Jahren liegt bei den Studienanfänger*innen ohne Abitur die Fächergruppe Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften unangefochten an der Spitze. Im Berichtsjahr 2024 ist die Hälfte der Erstsemester ohne schulische HZB (50,0 %) in diesem Fächerspektrum eingeschrieben, was 6.538 Personen entspricht. Ein detaillierter Blick zeigt, dass die Studienbereiche Sozialwesen (30,4 %) und Wirtschaftswissenschaften (25,9 %) bei den Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur am beliebtesten sind. Mit 19,1 % der Erstsemester ohne (Fach-)Abitur sind die Ingenieurwissenschaften die zweitbeliebteste Fächergruppe – insbesondere der Studienbereich Informatik mit einem Anteil von 37,4 Prozent. (vgl. Beliebte Studienfächer).

Akademisierungstrend in den Gesundheitswissenschaften

Die Fächergruppe Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften erreicht mit einem Anteil von 16,6 Prozent einen neuen Höchstwert und belegt den dritten Platz. Im Zeitverlauf zeigt sich ein deutlicher Anstieg. Insgesamt studieren hier aktuell 2.176 Erstsemester ohne schulische HZB, was einem Anteil von 7,7 Prozent an allen Studienanfänger*innen in der Fächergruppe entspricht. Ein detaillierter Blick auf die Fächergruppe zeigt allerdings, dass sich 93,8 Prozent der Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur im Bereich der Gesundheitswissenschaften eingeschrieben haben (vgl. Beliebte Studienfächer). Völlig andere Größenordnungen werden demgegenüber im Studienbereich Humanmedizin inkl. Zahnmedizin sichtbar. Hier haben im Berichtsjahr 135 Personen ohne schulische HZB (6,2 %) einen der stark umkämpften Studienplätze erhalten. Im Zeitverlauf zeigt sich hier ein Aufwärtstrend. So hat sich die Zahl der Studierenden in der Human- und Zahnmedizin, die sich allein über ihre Berufserfahrung qualifiziert haben, zwischen 2014 und 2024 von 534 auf 1.077 verdoppelt (vgl. Medizin- und Pharmaziestudium). Diese Entwicklung könnte ein Resultat der verbesserten Zugangsmöglichkeiten für Personen ohne (Fach-)Abitur sein, die im Zuge der Reform der Studienplatzvergabe im Jahr 2020 erreicht wurden.

Höherer Altersdurchschnitt

Der Vergleich der Altersstruktur von Studierenden mit und ohne (Fach-)Abitur offenbart deutliche Unterschiede. Studierende mit einer allgemeinen Hochschul- oder Fachhochschulreife sind in der Regel jünger als ihre beruflich qualifizierten Kommiliton*innen. Das zeigt sich deutlich in der Personengruppe der bis 20-Jährigen. Während der Prozentanteil bei den Erstsemestern mit schulischer HZB bei 57,7 Prozent liegt, beträgt der Anteil der Erstsemester ohne schulische HZB nur 7,8 Prozent. Bei den 21- bis 30-Jährigen zeigt sich eine Differenz von 17,5 Prozentpunkten. Gleichzeitig ist das Bild bei den Studierenden ohne (Fach-)Abitur sehr heterogen. Mit 55,8 Prozent bilden die 21- bis 30-Jährigen mehr als die Hälfte aller Studienanfänger*innen ohne schulische HZB; diese Gruppe wird gefolgt von den 31- bis 40-Jährigen mit 26,1 Prozent. Bei den traditionellen Erstsemestern fällt der Anteil in dieser Altersgruppe mit 3,7 Prozent deutlich niedriger aus. Daneben zeigen sich interessante Befunde, wenn alters- und geschlechtsspezifische Daten miteinander in Verbindung gebracht werden. So liegt das Durchschnittsalter der weiblichen Studienanfänger*innen ohne schulische HZB bei 30,5 Jahren, während das der männlichen Studierenden in dieser Gruppe bei 29,5 Jahren liegt (vgl. Altersstruktur).

Frauen in der Mehrzahl

Mehr Frauen (52,9 %) als Männer (47,1 %) beginnen im Jahr 2024 ein Studium ohne Abitur. Das war nicht immer so. Im Jahr 2016 lag der Anteil der Studienanfängerinnen noch bei 46,1 Prozent. Weitere Unterschiede bestehen bei der Fächerwahl. Studienanfängerinnen ohne (Fach-)Abitur sind häufiger in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und in der Humanmedizin/den Gesundheitswissenschaften zu verorten als ihre männlichen Pendants. Genau andersherum ist es in den Ingenieurwissenschaften (vgl. Geschlechtsspezifische Unterschiede). Differenziert nach Altersgruppen zeigt sich, dass 16,5 Prozent der weiblichen Erstsemester ohne (Fach-)Abitur älter als 40 Jahre sind, während der Anteil in dieser Altersklasse bei den männlichen Kommilitonen (7,7 %) geringer ausfällt (vgl. Altersstruktur).